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Die 3-Zentren Methode: Nervensystem regulieren

  • Autorenbild: Salome Harte
    Salome Harte
  • 26. Juni
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 13. Juli


Von Stress auf Fokus in 20 Minuten


Du kennst diese Tage. Der Terminkalender ist dicht gedrängt, ein Back-to-Back-Meeting jagt das nächste und dein Körper signalisiert leise, aber unüberhörbar: Es ist zu viel.


Vielleicht bemerkst du es an einer flachen Atmung, einem permanenten Druck im Nacken oder diesem diffusen Brain Fog, der dich daran hindert, mit der gewohnten Klarheit zu agieren. Als ambitionierte Person versuchst du das Problem oft mental zu lösen – doch wenn dein Nervensystem im Überlebensmodus läuft, stösst reine Willenskraft an ihre Grenzen.


Um echten Fokus und tiefe Gelassenheit zurückzugewinnen, müssen wir die Ebene wechseln. Weg vom reinen Denken – hin zu deinem Nervensystem.



DIE WISSENSCHAFT

Dankbarkeit als neurobiologisches Werkzeug


Dankbarkeit ist mehr als ein nettes Gefühl. Bei regelmässiger Anwendung aktiviert sie das Belohnungssystem im Gehirn. Botenstoffe wie Dopamin und Serotonin werden ausgeschüttet, das Stresserleben reduziert sich messbar.


In manchen Lebenssituationen sind wir bei anhaltendem Dauerstress jedoch nicht mehr in der Lage, Dankbarkeit wirklich zu spüren. Das liegt daran, dass der Sympathikus im Dauermodus hochläuft. Adrenalin und Cortisol werden konstant ausgeschüttet. Die neuronale Aktivität im präfrontalen Kortex nimmt ab, während die Amygdala, dein Alarmsystem, übernimmt. Dein Gehirn schaltet auf Überleben um.


Deshalb reicht es oftmals nicht Dankbarkeit einfach vorzunehmen. Wir müssen sie über den Körper zugänglich machen.




ALTES WISSEN

Drei Zentren die seit Jahrhunderten bekannt sind


Seit Jahrhunderten arbeiten alte Traditionen mit dem Wissen dieser drei Hauptzentren. Obwohl sie sich in Terminologie und spirituellem Rahmen unterscheiden, beschreiben sie alle denselben Grundgedanken: Der Mensch besitzt drei unterschiedliche Zentren der Wahrnehmung, Erfahrung und Weisheit.


Im Yoga und Tantra beschreiben die drei Granthis – energetische Knoten entlang der Wirbelsäule – Widerstände, die auf dem Weg nach innen durchlässig werden dürfen. In der japanischen Zen-Tradition steht Kokoro für die Einheit von Herz und Geist, während der Hara im Unterbauch als Ort der Verankerung gilt. Und im chinesischen Qigong unterscheidet man drei Dantians – ein oberes im Kopf, ein mittleres beim Herzen, ein unteres im Bauch.

Das ist kein Beweis dafür, dass alle Praktiken aus alten Traditionen funktionieren. Aber es ist eine bemerkenswerte Übereinstimmung – über Jahrhunderte und Kulturen hinweg.




DIE PRAXIS

Die neuro-somatische 3-Zentren-Methode


Um diesen biologischen Schalter effektiv umzulegen, basiert diese Praxis auf einer sequenziellen Ansteuerung deiner drei wichtigsten neurobiologischen Zentren: Kopf, Herz und Bauch.




Reibe deine Hände kraftvoll aneinander, bis spürbare Wärme entsteht, und forme daraus eine fokussierte Kugel.



Kopf · Verstehen


Rufe etwas ab, wofür du auf intellektueller Ebene dankbar bist, und lege es in die Wärme deiner Hände. Dann führst du die Wärme an dein Kopfzentrum.


Dies stimuliert den medialen präfrontalen Kortex (mPFC). Dankbarkeit aktiviert nachweislich diese Region und hilft dabei, den evolutionären Negativity Bias aktiv zu überschreiben. Die neuronale Aktivität verlagert sich von der reaktiven Amygdala zurück in die reflektierende Planung.


Verstehen schafft Sicherheit



Herz · Fühlen


Evoziere eine tiefe emotionale Dankbarkeit: für Menschen, loyale Verbindungen oder Momente purer Erleichterung. Die Wärme wandert zum Herzzentrum.


Das Herz besitzt ein eigenes Nervensystem mit rund 40.000 Neuronen (Armour, 1991). Echte emotionale Dankbarkeit erzeugt messbare Herzkohärenz. Der Anterior Cingulate Cortex (ACC) und die Insula registrieren diesen Zustand sofort und dämpfen die Aktivität der Amygdala. Reizbarkeit und Druck flachen ab.


Fühlen schafft Frieden



Bauch · Verkörpern


Bringe Dankbarkeit für deinen Körper – der dich jeden Tag trägt. Die Wärme deiner Hände sinkt zum Bauchzentrum.


Im Bauch sitzt das enterische Nervensystem – das Darmhirn – das über den Vagusnerv in ständigem Austausch mit deinem Gehirn steht. Somatisch im Bauch verankerte Dankbarkeit unterstützt die Aktivierung des parasympathischen Nervensystems. Dein System schaltet von Überleben auf Regeneration.


Spüren schafft Klarheit



Du findest diese Übung auch als geführte Meditation auf meinem Youtube-Kanal.



WAS SICH VERÄNDERT

Messbare Wirkung bei regelmässiger Praxis


Nervensystem-Regulation ist kein Wellness-Trend. Es ist ein unverzichtbares Werkzeug für alle, die nachhaltig leisten wollen, ohne sich dabei zu verbrauchen. Mit Übungen wie dieser, kannst du von Stress auf Fokus wechseln.


Der präfrontale Kortex kommt zurück ans Steuer womit dir Entscheidungen wieder leichter fallen und der Brainfog sich lösen kann. Durch eine gesteigerte Herzratenvariabilität flacht dein Druck von dir ab. Deine Stressresilienz erhöht sich und du erkennst Kleinigkeiten wieder als solches. Dein Körper kann sich wieder normal von stressigen Situationen erholen.



Wichtig ist hier die Wiederholung und nicht die Perfektion. Dein Nervensystem lernt durch Erfahrung weshalb es sich auch empfiehlt solche Übungen zu machen, wenn es einem gut geht. Mehr dazu, wie ich mit Kopf, Herz und Bauch arbeite, findest du in meinem Ansatz, und was somatisches Coaching überhaupt ist, liest du hier.





Quellen & Weiterführende Informationen


  • Matvienko-Sikar, K. & Dockray, S. (2017). Effects of a novel positive psychological intervention on prenatal stress and wellbeing: A pilot randomised controlled trial. Women and Birth, 30(2), e111–e118.

  • McCraty, R. et al. (1995). The effects of emotions on short-term power spectrum analysis of heart rate variability. The American Journal of Cardiology, 76(14), 1089–1093. [HeartMath Institute]

  • Armour, J.A. (1991). Intrinsic Cardiac Neurons. Journal of Cardiovascular Electrophysiology, 2(4), 331–341.

  • Porges, S.W. (2011). The Polyvagal Theory: Neurophysiological Foundations of Emotions, Attachment, Communication, and Self-Regulation. W.W. Norton & Company.

  • Satyananda Saraswati, S. (1981). Kundalini Tantra. Bihar School of Yoga. (Standardwerk zu den drei Granthis und Kundalini-Praxis)

  • Suzuki, D.T. (1959). Zen and Japanese Culture. Princeton University Press. (Klassische Quelle zu Kokoro und Zen-Praxis)

  • Yang, J.-M. (1997). The Root of Chinese Qigong: Secrets of Health, Longevity and Enlightenment. YMAA Publication Center. (Detaillierte Beschreibung der drei Dantians)



 
 
 
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